Kontinuität oder Neugründung? Die Entstehung des Deutschen Ordens im Licht der Quellen (3)
Teil III – Die Guido-Urkunde von 1190
Im September 1190 stellte König Guido von Jerusalem dem deutschen Hospital ein Haus in Akkon zur Verfügung.¹ Die Urkunde gehört zu den frühesten sicheren Nachrichten über die deutsche Hospitalgemeinschaft nach dem Fall Jerusalems.
Bemerkenswert ist ihr Wortlaut. Guido berichtet weder von der Gründung eines Hospitals noch von der Entstehung einer neuen Gemeinschaft. Die Urkunde setzt das Hospital vielmehr als bereits vorhandene Institution voraus und regelt ausschließlich dessen Ausstattung mit einem Haus.²
Damit beantwortet die Urkunde eine Frage, lässt aber eine andere offen. Sie belegt zweifelsfrei, dass im September 1190 ein deutsches Hospital vor Akkon bestand. Sie sagt jedoch nicht, wann diese Gemeinschaft entstanden war.
Gerade deshalb verdient die Chronologie besondere Aufmerksamkeit. Die Belagerung Akkons begann bereits am 28. August 1189.³ Die norddeutsche Kreuzfahrerflotte traf nach der erhaltenen Narratio Itineris Navalis ad Terram Sanctam erst im September 1190 vor Akkon ein.⁴ Auch Nicholas Morton datiert ihre Ankunft in diesen Monat.⁵
Sollte das Hospital tatsächlich erst mit der Ankunft dieser Flotte entstanden sein, blieben bis zur Ausstellung der Guido-Urkunde allenfalls wenige Tage, höchstens ein bis zwei Wochen. In dieser kurzen Zeit hätte sich zunächst eine Hospitalgemeinschaft bilden, ihre Tätigkeit aufnehmen und schließlich die Anerkennung des Königs finden müssen. Die Guido-Urkunde selbst erwähnt einen solchen Gründungsvorgang nicht.
Dieser Befund beweist keine Kontinuität zum Jerusalemer Hospital. Er zeigt jedoch, dass die Urkunde allein nicht als Beleg für eine Neugründung herangezogen werden kann. Sie setzt eine bestehende Gemeinschaft voraus, ohne deren Vorgeschichte zu schildern.
Die nächste Quelle gewinnt deshalb besonderes Gewicht. Nur wenige Monate später stellte Papst Clemens III. die Gemeinschaft unter den Schutz des Apostolischen Stuhls. Erst ihr Wortlaut erlaubt es, die rechtliche Stellung und die Selbstdarstellung des Hospitals näher zu untersuchen.
Fußnoten
1 Ernst Strehlke (Hrsg.): Tabulae Ordinis Theutonici, Berlin 1869, Nr. 4.
2 Ernst Strehlke (Hrsg.): Tabulae Ordinis Theutonici, Berlin 1869, Nr. 4.
3 Peter W. Edbury: The Conquest of Jerusalem and the Third Crusade. Sources in Translation, Aldershot 1996, S. 125–127.
4 Narratio Itineris Navalis ad Terram Sanctam, in: Georg Heinrich Pertz (Hrsg.): Monumenta Germaniae Historica. Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi, Hannover 1861, S. 179–196; zur Ankunft vor Akkon S. 196.
5 Nicholas Morton: The Teutonic Knights in the Holy Land 1190–1291, Woodbridge 2009, S. 10–12.



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