N. S. Arman – Ein Spion des Deutschen Ordens im Königreich Polen


(zum Film) N. S. Arman war der Deckname eines Informanten, der Mitte des 15. Jahrhunderts für den Deutschen Orden tätig war. In den Jahren 1451 und 1453 übermittelte er vertrauliche Nachrichten aus dem Königreich Polen an Hochmeister Ludwig von Erlichshausen. Seine Berichte behandelten politische Entwicklungen, militärische Vorgänge und die Beziehungen zwischen Polen und Litauen. Der Informant stand außerdem mit dem Thorner Komtur Albrecht Kalb in Verbindung, der Nachrichten von ihm entgegennahm und an den Hochmeister weiterleitete. In seiner Korrespondenz verwendete er die Unterschriften „N. S.“, „N. S. Arm man“ und „N. S. Arman“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit verbarg sich hinter diesem Decknamen ein Mann namens Niclos Scharar.

Niclos Scharar stammte aus Thorn und ließ sich später im Königreich Polen nieder. Dort erwarb er das Bürgerrecht der Stadt Rippin im Dobriner Land. Zwischen 1436 und 1438 erscheint sein Name mehrfach in polnischen Gerichtsunterlagen. Er gehörte damals zum Umfeld des Woiwoden Jan von Licheń und war an verschiedenen Rechtsstreitigkeiten beteiligt. Seine geschäftlichen und persönlichen Verbindungen erstreckten sich auf das Dobriner Land und die benachbarten Kujawen. Zu Beginn der 1450er-Jahre war Scharar vermutlich bereits ein älterer Mann. In seinen Briefen an den Hochmeister äußerte er wiederholt Sorgen um seine finanzielle Absicherung im Alter.

Später trat Scharar in den Dienst des polnischen Würdenträgers Jan Kretkowski. Dieser bezeichnete ihn in einem Schreiben vom 28. Oktober 1449 an Hochmeister Konrad von Erlichshausen ausdrücklich als seinen Diener und bevollmächtigten Gesandten. Kretkowski hatte ihn zum Hochmeister geschickt, damit er bestimmte Angelegenheiten persönlich vortragen konnte. Auch mit dessen Sohn Andrzej Kretkowski stand Scharar in Verbindung. Ende 1452 und Anfang 1453 hielt er sich gemeinsam mit ihm am Hof der polnischen Königinwitwe Sophia Holszańska auf.

In den Rechnungen des Ordensschatzmeisters Leonard von Parsberg erscheint bereits für das Jahr 1448 ein Mann namens Niclos Scherer aus Polen. Er erhielt vom Deutschen Orden in zwei Teilzahlungen insgesamt neun gute Mark. Dieser Mann wird mit Niclos Scharar identifiziert. Aus demselben Jahr sind weitere Zahlungen an Informanten aus Polen überliefert. So erhielt ein Mann namens Stanisław dreißig gute Mark. Weitere Einträge verzeichnen Zahlungen von dreißig guten Mark und vierundzwanzig ungarischen Gulden an nicht namentlich genannte Informanten.

Die erhaltenen Berichte von N. S. Arman an Hochmeister Ludwig von Erlichshausen stammen aus den Jahren 1451 und 1453. Der früheste bekannte Brief lässt sich auf die ersten drei Monate des Jahres 1451 datieren. Darin informierte er den Hochmeister über Einfälle tatarischer und moldauischer Truppen in Podolien. Er schilderte die Verwüstungen in den betroffenen Gebieten und berichtete über die militärische Lage im Königreich Polen. Weitere Nachrichten betrafen die politischen Auseinandersetzungen zwischen der polnischen Krone und dem Großfürstentum Litauen. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die umstrittenen Gebiete Podolien und Wolhynien.

Auch in seinen folgenden Schreiben beschäftigte sich der Informant mit diesen Konflikten. Er berichtete über Beratungen des polnischen Adels, Entscheidungen König Kasimirs IV. und militärische Auseinandersetzungen an der polnisch-schlesischen Grenze. Darüber hinaus übermittelte er Nachrichten aus dem Umfeld der königlichen Familie und verschiedener polnischer Würdenträger. Zu den von ihm behandelten Angelegenheiten gehörten auch die bevorstehenden Verhandlungen über die Eheschließung König Kasimirs IV. mit Elisabeth von Habsburg.

Einen bedeutenden Teil seiner Nachrichten gewann N. S. Arman im Zusammenhang mit politischen Versammlungen. Im Mai 1453 berichtete er dem Hochmeister über die Vorbereitungen einer Zusammenkunft des polnischen Adels in Parczew. Er erklärte, zuvor persönlich an vier regionalen Adelsversammlungen teilgenommen zu haben. Dort waren insbesondere die königlichen Anordnungen zur Vertretung des Adels und die Beziehungen zwischen Polen und Litauen diskutiert worden. Im Juni desselben Jahres übermittelte er weitere Nachrichten über die Beratungen in Parczew. Wenig später berichtete er über die Ergebnisse einer Ständeversammlung in Piotrków. Seine Schreiben enthielten Angaben zu den Forderungen der Adligen, den Reaktionen des Königs und den dort behandelten politischen Angelegenheiten.

Neben der unmittelbaren Korrespondenz mit dem Hochmeister unterhielt der Informant Verbindungen zum Komtur von Thorn. Am 17. Mai 1453 verfasste Albrecht Kalb einen Brief an Ludwig von Erlichshausen, in dem er Nachrichten eines Kundschafters aus dem Dobriner Land weitergab. Bei diesem Kundschafter handelte es sich um N. S. Arman. Kalb erwähnte, dass der Mann bereits am 13. Februar desselben Jahres beim Hochmeister auf der Marienburg gewesen war. Zu den übermittelten Informationen gehörten Nachrichten über die politische Lage in Polen und Litauen sowie Gerüchte über einen angeblich geplanten Anschlag auf König Kasimir IV. Der Thorner Komtur äußerte in seinem Schreiben auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit einzelner Nachrichten.

Die Verbindung zwischen N. S. Arman und Albrecht Kalb lässt sich auch durch die eigenen Schreiben des Informanten belegen. Am 20. Juni 1453 wandte er sich mit einer persönlichen Bitte an den Hochmeister. Er ersuchte um finanzielle Unterstützung, die ihm durch den Komtur von Thorn übermittelt werden sollte. In seinem Brief erklärte er, dass er sich bereits mehrfach für den Deutschen Orden Gefahren ausgesetzt habe. Seine Tätigkeit habe inzwischen Aufmerksamkeit erregt, weshalb er weitere persönliche Risiken vermeiden wolle. Zugleich verwies er auf seine bisherigen Dienste für den Orden und bat um ausreichende Mittel für seinen Lebensunterhalt.

Eine ähnliche Bitte findet sich in einem weiteren Schreiben aus der ersten Hälfte des Juli 1453. Darin berichtete N. S. Arman, dass sich Nikolaus von Baysen in seiner Nähe aufhalte. Dieser empfange regelmäßig Besucher aus Preußen. Der Informant befürchtete, von einem dieser Besucher erkannt und verraten zu werden. Er versicherte dem Hochmeister seine Treue und wiederholte seine Bitte, ihm über den Thorner Komtur Geld zukommen zu lassen.

Die Berichte verfasste N. S. Arman in deutscher Sprache und unterzeichnete sie mit seinem Decknamen. Die erhaltenen Briefe weisen zwei unterschiedliche Handschriften auf. Die Schreiben ohne vollständige Datierung wurden wahrscheinlich von ihm selbst verfasst, während er die beiden 1453 in Thorn ausgestellten Briefe vermutlich einem Schreiber diktierte. Sämtliche Briefe waren mit seinem Siegel beglaubigt. Dieses wurde mit Wachs durch das Papier angebracht. Auf den Rückseiten sind noch Siegelspuren und Einschnitte erhalten, die auf eine zusätzliche Sicherung der Schreiben durch Papierstreifen hinweisen. Eine Verschlüsselung des Brieftextes ist nicht nachgewiesen. Auch der genaue Übermittlungsweg der einzelnen Briefe ist nicht bekannt.

Der Deckname „N. S. Arman“ lässt sich mit dem Namen Niclos Scharar in Verbindung bringen. Die beiden Anfangsbuchstaben entsprechen den Initialen seines Vor- und Familiennamens. Der Bestandteil „Arman“ wird als Bezeichnung für einen armen Mann verstanden. Der Informant verwendete eine entsprechende Selbstbezeichnung auch in einem seiner Briefe. Seine Herkunft aus Thorn, sein späterer Aufenthalt im Dobriner Land und seine nachgewiesenen Beziehungen zu polnischen Würdenträgern stimmen mit den Angaben überein, die sich aus der erhaltenen Spionagekorrespondenz ergeben.

- Quelle -

Michalina Duda, Sławomir Jóźwiak, Sobiesław Szybkowski: Działalność krzyżackiego szpiega o pseudonimie ‚N.S. Arman‘ w Królestwie Polskim w połowie XV wieku i jego tożsamość, in: Średniowiecze Polskie i Powszechne, Bd. 14 (18), Katowice 2022, S. 237–274.


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