Duisburger Salvatorwallfahrt des Deutschen Ordens
Die Duisburger Salvatorwallfahrt gehörte im Spätmittelalter zu den bedeutenden Wallfahrten am Niederrhein. Ihr Mittelpunkt war eine ursprünglich farbig gefasste Christusfigur aus Eichenholz, die Christus als Erlöser der Welt darstellte. Sie befand sich in der Duisburger Salvatorkirche, deren Patronatsrechte seit 1254 beim Deutschen Orden lagen. Spätestens seit 1466 galt das Christusbildnis als wundertätig. In diesem Zusammenhang entwickelte sich eine Wallfahrt, zu der Gläubige aus Duisburg und der weiteren Umgebung kamen. Alljährlich wurde das Salvatorfest gefeiert. Zu den Feierlichkeiten gehörte eine feierliche Stadtprozession, bei der die Christusfigur durch Duisburg getragen wurde. Mit der Ausbreitung der Reformation geriet diese Form der Christusverehrung zunehmend in Konflikt mit den neuen religiösen Vorstellungen. Seit 1543 setzte sich in Duisburg die Reformation durch. Der Deutsche Orden, der weiterhin die Patronatsrechte an der Salvatorkirche besaß, versuchte dagegen, am katholischen Gottesdienst festzuhalten. Besonders die Verehrung der Salvatorfigur wurde zum Gegenstand der Auseinandersetzungen. Die jährliche Prozession wurde schließlich vom Magistrat untersagt. Das Ende der Duisburger Wallfahrt lässt sich auf den 11. Februar 1555 datieren. An diesem Tag beschloss der Stadtrat, die Christusfigur aus der Salvatorkirche entfernen zu lassen. Nach dem Bericht des Kirchenhistorikers Werner Teschenmacher, der die Ereignisse um 1633 festhielt, ging der Rat persönlich in die Kirche und ließ die Figur auf Betreiben des reformatorischen Predigers Petrus von Benden abnehmen. Anschließend wurde sie in das sogenannte Koelhaus gebracht und dort verwahrt. Damit endete die öffentliche Verehrung des Salvatorbildes in der Duisburger Salvatorkirche.
Überführung der Statue nach Nievenheim
Über den Weg der Statue nach Nievenheim hat sich eine Legende erhalten. Demnach holte ein katholisch gebliebener Mann die Figur heimlich aus ihrem Duisburger Aufbewahrungsort. Er wollte sie nach Köln bringen, wo der katholische Glaube weiterhin praktiziert wurde. Um das Bildnis unbemerkt transportieren zu können, soll er es in einem Sack über den Rhein gebracht haben. Auf seiner Reise übernachtete er in Nievenheim. Als er am folgenden Tag seinen Weg nach Köln fortsetzen wollte, soll er sich dreimal verirrt haben und immer wieder nach Nievenheim zurückgekehrt sein. Schließlich deutete er dies als göttliches Zeichen und überließ die Christusfigur der dortigen Pfarrkirche St. Pankratius. Diese Erzählung ist als Wallfahrtslegende zu verstehen; die Einzelheiten des Transports sind historisch nicht gesichert. Fest steht hingegen, dass das Duisburger Salvatorbild nach Nievenheim gelangte und dort zum Mittelpunkt einer neuen Wallfahrt wurde. Bereits 1556 soll die erste Pilgergruppe aus Köln eingetroffen sein. Im Jahr 1660 erhielt die Figur ihren Platz auf dem Hochaltar der Kirche. Die Verehrung des ursprünglichen Duisburger Gnadenbildes setzte sich somit in Nievenheim fort. Bis heute wird dort die Salvatoroktav gefeiert. Auch die traditionelle Wallfahrt von Köln nach Nievenheim, die 1894 als jährliche Nachtwallfahrt eingerichtet und nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 wieder aufgenommen wurde, geht auf diese Geschichte zurück.



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