Landkomtur Werner Overstolz (d.J.)


Werner Overstolz der Jüngere war der älteste Sohn des Kölner Patriziers Werner Overstolz des Älteren. Auch sein Bruder Johann war für den Deutschen Orden bestimmt und trat in den Orden ein. Der jüngste Bruder Wynant/Wigand blieb dagegen im weltlichen Stand und war für die Übernahme des Familienbesitzes vorgesehen. Im Jahr 1438 wurden Werner und Johann gemeinsam für den preußischen Zweig des Deutschen Ordens rekrutiert. Ihr Vater gehörte dem Orden damals noch nicht an; Werner Overstolz der Ältere trat erst 1443 selbst in den Deutschen Orden ein und blieb anschließend in Köln.

Nach seiner Rekrutierung für Preußen ist Werner seit 1441 in Elbing fassbar, wo er von 1441 bis 1450 Gartenmeister der Kommende war. 

Im Jahr 1451 starben sein Vater und sein jüngerer Bruder Wynant im Alter von knapp fünfzehn Jahren. Werner war danach das einzige noch lebende Mitglied dieses Familienzweiges der Overstolzen.

Am 1. August 1452 befand sich Werner im Westen. Er wurde ausdrücklich als der „junge Herr Werner Overstolz aus Preußen“ bezeichnet und war aus Preußen entsandt worden, um Rechte des Deutschen Ordens wahrzunehmen.

Am 1. Januar 1453 hielt sich Werner im Deutschen Haus in Köln auf und führte nun auch das Amt des Vogtes zu Samland. Er hatte auf seiner Reise durch Mecklenburg Schwierigkeiten erfahren und war im Rheinland mit einer Reihe von Ordensangelegenheiten befasst. Dazu gehörten Verhandlungen mit dem Kurfürsten von Trier über die Zollfreiheit des Ordens und über ein verlangtes Subsidium, Kontakte zum Kurfürsten von Köln, die Verhältnisse innerhalb der Ballei Koblenz, die Rechnungslegung ihres Komturs sowie der Ankauf von Rheinwein für den Hochmeister.

Schon am 7. Januar berichtete er wiederum über den Zustand der Ballei Koblenz und die Rechenschaft ihres Komturs ging. Am 10. Januar erscheint sein Name bei der Beschaffung und Beförderung von Wein für den Hochmeister. Am 16. Januar schrieb er selbst aus dem Deutschen Haus in Köln und kümmerte sich um die Weiterbeförderung eines Boten zum Hochmeister und zum Bischof von Samland. Am 31. Januar beschäftigte er sich weiterhin mit Weinlieferungen, Geldangelegenheiten und den Verhältnissen in Koblenz und bereitete seine Rückkehr nach Preußen vor.


Am 8. März 1453 war Werner noch immer mit den Angelegenheiten der Ballei Koblenz befasst. Gegenstand eines weiteren Schreibens waren eine Sendung der Ballei an den Hochmeister wegen ihrer Schwierigkeiten sowie persönliche Angelegenheiten Werners, deren Inhalt nicht näher überliefert ist. Sein Aufenthalt im Westen dauerte noch mehrere Monate. Im Juni wurde seine weitere Abwesenheit von Samland ausdrücklich als Nachurlaub behandelt.

Als Kirchenvogt von Samland bezeichnet, hielt er sich am 17. Juni 1458 in Lübeck auf. Dort war er mit Verhandlungen mit Lübeck und dem König von Schweden befasst. Außerdem beschäftigte ihn die Tätigkeit Danzigs am schwedischen Hof und die Angelegenheit Simon Dusburgs. Anfang Juli erscheint Werner erneut im Zusammenhang mit dem Nachlass Simon Duesbergs und zusammen mit Heinrich Reuß von Plauen.

Am 13. August wurde er in einem Schreiben aus Köln an Heinrich Reuß von Plauen in Angelegenheiten genannt, die Geld, Wein und den Nachlass des Ordensbruders Heinrich Hardevust betrafen. Am folgenden Tag erscheint Werner erneut in einer Kölner Korrespondenz über denselben Nachlass.

Im Juni 1461 immer noch als Vogt von Samland amtierend, schrieb Winrich von Mansteden am 23. Juni zweimal unmittelbar an ihn. Werner wurde dabei über Geldangelegenheiten, Wein und die Verhältnisse in der Ballei Koblenz unterrichtet. Der bisherige Koblenzer Komtur Claus von Gielsdorf hatte sein Amt niedergelegt und Lambert war als Statthalter eingesetzt worden. Gleichzeitig wurde Werner über den schlechten Zustand der Ballei informiert. In denselben Tagen beschäftigten sich auch die Erzbischöfe von Trier und Köln mit der Lage in Koblenz, der Wiedervereinigung Mechelns mit der Ballei und der Bestellung eines neuen Komturs.

Am 14. Februar 1464 wurde Werner neuer Komtur von Koblenz. Seine Amtszeit dauerte bis 1483.

Bereits 1465 war Werner an einer umfangreichen Veräußerung von Ordensbesitz beteiligt. Am 22. Juli verkauften Werner und die Brüder der Ballei den Besitz des Deutschen Ordens in Ibersheim an Hesso von Leiningen und dessen Gemahlin Elisabeth, Pfalzgräfin bei Rhein. Zum veräußerten Besitz gehörten das Haus und der Hof in Ibersheim sowie weitere Ländereien und Rechte. Für den Besitz waren 7.103 rheinische Gulden und 501 Malter Roggen Kölner Maßes zu entrichten. Ein Teil der Kaufsumme wurde sofort gezahlt; ein erheblicher Rest blieb später Gegenstand langwieriger Auseinandersetzungen.

Während seiner Koblenzer Amtszeit kam es zu einem schweren Konflikt mit der Ordensleitung, der 1472 seinen Höhepunkt erreichte. Im Mittelpunkt stand Pitzenburg in Mecheln. Die Ballei Koblenz einschließlich Pitzenburg wurde einer Visitation unterzogen, mit der Stephan von Streitberg betraut wurde. Für diese Visitation erhielt er weitreichende Vollmachten. Er durfte Werner, falls dies erforderlich würde, als Komtur von Koblenz absetzen und einen Statthalter einsetzen. Gleichzeitig wurden Schreiben an die Erzbischöfe von Köln und Trier sowie an die Städte Mecheln und Köln vorbereitet. Eine weitere Vollmacht richtete sich an Werner selbst sowie an Hug von Zevenberghen, Winrich von Mansteden und den Priesterbruder Johann Kongsdorf. Der Vorgang umfasste außerdem ein eigenes Memorial über die Auseinandersetzung des Koblenzer Komturs mit Pitzenburg; darin erscheinen auch Heinrich von Orsel und der Abt von St. Michael in Antwerpen.

Der Konflikt betraf die Einbindung Pitzenburgs in die Koblenzer Ballei und die damit verbundenen Verwaltungs- und Rechnungsangelegenheiten. Die gegen Werner vorbereitete Absetzung war keine bereits vollzogene Amtsenthebung: Stephan von Streitberg erhielt ausdrücklich nur die Vollmacht, Werner gegebenenfalls abzusetzen. Werner blieb danach Komtur von Koblenz. Die Krise des Jahres 1472 und sein späteres Ausscheiden aus dem Amt sind daher voneinander zu trennen.

Die Angelegenheit um Ibersheim beschäftigte Werner noch viele Jahre nach dem Verkauf von 1465. Nachdem Hesso von Leiningen und seine Gemahlin gestorben waren, blieb ein erheblicher Teil der vereinbarten Kaufsumme offen, und um Besitz und Zahlungsverpflichtungen entstanden weitere Auseinandersetzungen. Am 8. Mai 1481 trat Werner als Komtur von Koblenz gemeinsam mit dem Konvent in einem Verfahren um den Hof zu Ibersheim auf. Der Trierer Erzbischof Johann verglich als Kommissar des kaiserlichen Kammergerichts die Auseinandersetzung zwischen Werner und dem Koblenzer Konvent auf der einen sowie Graf Reinhard von Sickingen beziehungsweise Westerburg auf der anderen Seite.

1482 stand er in einem kirchenrechtlichen Streit mit dem Priesterbruder Adam Haer. Haer beanspruchte die Pfarrstelle in Elsen, deren Übertragung Werner ihm verweigert hatte, und wandte sich deswegen an den Papst. Die Entscheidung über die Angelegenheit wurde Johann von Arsen übertragen. Werner fügte sich schließlich dem ergangenen Urteil und präsentierte Adam Haer auf die Pfarrstelle. 

Im Jahr 1483 endete Werners Amtszeit in Koblenz. Danach verbrachte er seinen Lebensabend in Judenroide. Dort starb er 1493 im Alter von 77 Jahren. Sein Tod lässt sich auf den Zeitraum zwischen Juni und dem 23. August 1493 eingrenzen. Mit ihm erlosch die führende Overstolz-Linie aus der Kölner Rheingasse.

- Quellen-

Herborn, Wolfgang: „Bürgerliches Selbstverständnis im spätmittelalterlichen Köln. Bemerkungen zu zwei Hausbüchern aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts“, in: Werner Besch/ u.a. (Hg.), Die Stadt in der europäischen Geschichte. Festschrift Edith Ennen, Bonn 1972, S. 490–520

Mol, Hans [Johannes A. Mol]: „Crisis in Prussia, crisis in the bailiwicks? The case of Utrecht, 1443–1469“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders 16 (2011), S. 173–189

Pósán, László: „Zöldség- és gyümölcstermesztés a középkori Poroszországban“ [Vegetable and Fruit Production in Mediaeval Prussia], in: Agrártörténeti Szemle / Historia Rerum Rusticarum 62 (2021), S. 5-6

Militzer, Klaus: „Die Eingliederung der Deutschordensballei Koblenz in die Struktur des Kölner Erzstifts“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders 23 (2018), S. 134

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