Briefkontakte der Ordensbrüder
"Wir gebieten, dass außer denen, die durch ihr Amt Siegel gebrauchen, niemand ohne Erlaubnis des Komturs Briefe absende, noch empfangene lese. Wenn es der Komtur für gut befindet, können die Briefe, die abgesandt werden und ankommen, ihm vorgelesen werden." (Prima Regula)
So wurden eingehende Briefe erst einmal durch den Oberen durchgesehen. Für gut befunden, wurden sie weitergegeben, sonst aber zensiert oder ganz einbehalten. Ausgehende Briefe mussten offen dem Oberen abgegeben werden. Der sandte sie dann ab oder auch nicht.
Was war der Grund?
Egal welcher Gemeinschaft man angehörte, sollte ein Weg der Kontemplation eingeschlagen werden. Beunruhigungen wurden als eine gefährliche Störung betrachtet, welche einen Rückschlag im geistlichen Leben nach sich ziehen konnte (Beunruhigungen um das Wohl anderer, Begierlichkeiten, Heimweh...). Auch sollten alle Ordensmitglieder von gleichem Stande untereinander sein. Die zu enge Einbindung in die Familie konnte aber im Inneren des Klosters zu "Standesunterschieden" führen. Sei es durch das stetige Erinnern an den "Rang" in der Welt sein, sei es durch die enge Einbindung durch häufige Briefe in die Familie, während andere leer ausgehen.
Ausgehende Post wurde danach beurteilt, ob sie einen geistlich-spirituellen Mehrwert hat. Denn die Ordensmitglieder sollten die Außenstehenden nicht noch mit inneren Problemen belasten, in die sie keinen Einblick haben, sondern geistlich bestärken und aufbauen. Man könnte kurz sagen, ein Brief aus dem Kloster sollte "Post aus dem Himmel" sein.
Diese Darstellung ist stark verkürzt, soll aber einen kleinen Eindruck gewähren.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen