Bedeutung des Aufschwörschildes
Die Aufschwörschilde des Deutschen Ordens gehören zu den wichtigen materiellen Zeugnissen der frühneuzeitlichen Adelskultur innerhalb des Ordens. Es handelte sich um bemalte oder geschnitzte Wappenschilde von Ritterbrüdern, die nach ihrer Aufnahme dauerhaft in den Ordenskirchen aufgehängt wurden. Sie dienten der sichtbaren Erinnerung an die Zugehörigkeit eines Ritters zum Deutschen Orden und verbanden heraldische Repräsentation mit der Memorialkultur des Ordens.
Der Ursprung dieser Tradition liegt in der sogenannten Aufschwörung, also der feierlichen Aufnahme eines Ritterbruders in den Orden. Nach der Aufnahme erhielt der Ordensritter das Recht, sein Wappen in der jeweiligen Ordenskirche anbringen zu lassen. Der Aufschwörschild war damit das dauerhafte Zeichen einer vollzogenen Aufnahme.
Die Schilde bestanden überwiegend aus Holz und waren bemalt, teilweise auch geschnitzt oder vergoldet. Sie zeigten das persönliche Wappen des betreffenden Ordensritters, ergänzt durch Inschriften mit Namen, Herkunft, Eintrittsdatum oder Ordensrang. Die Gestaltung orientierte sich an den heraldischen Stilformen ihrer Zeit. Beispiele des 16. Jahrhunderts wirken meist streng und klar gegliedert, während im 17. und 18. Jahrhundert zunehmend barocke Formen mit Kartuschen, ornamentalem Schnitzwerk und plastischen Helmzierden auftreten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erscheinen vielfach historistische Stilformen.
Die Aufschwörschilde wurden in den Kirchenräumen des Deutschen Ordens aufgehängt. Dort bedeckten sie große Teile der Wände und verwandelten die Kirchen in heraldische Gedächtnisräume des Ordensadels. Anders als Grabdenkmäler dienten die Schilde nicht in erster Linie dem Totengedenken, sondern der dauerhaften Sichtbarmachung der Zugehörigkeit eines Ritters zur Ordensgemeinschaft. Gleichzeitig dokumentierten sie die Verbindung zahlreicher Adelsfamilien mit dem Deutschen Orden über Generationen hinweg.
Besonders bedeutend ist die bis heute erhaltene Sammlung in der Elisabethkirche des Deutschen Ordens in Wien. Dort befinden sich noch zahlreiche Aufschwörschilde an den Wänden der Kirche. Die Wiener Sammlung zeigt zugleich, dass die Tradition nicht mit dem 18. Jahrhundert endete. Vielmehr wurden dort noch bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg neue Schilde aufgehängt. Dadurch lässt sich die Entwicklung der heraldischen Gestaltung vom Barock bis zum Historismus unmittelbar nachvollziehen.
Auch in der Elisabethkirche in Marburg haben sich zahlreiche Aufschwörschilde erhalten. Weitere Schilde befinden sich in der Jakobskirche in Nürnberg sowie in der Ordenskirche von Friesach in Kärnten.
Die Überlieferung zeigt zugleich, dass Aufschwörschilde nicht in allen Balleien des Deutschen Ordens gleichermaßen verbreitet waren. Besonders stark tritt die Tradition in den süddeutschen und österreichischen Gebieten des Ordens hervor, vor allem in Franken, Hessen und Österreich. Für andere Balleien, z.B. Lothringen und Aldenbiesen, fehlt dagegen eine Überlieferungen. Dies deutet darauf hin, dass die Aufschwörschilde keine überall einheitliche Praxis des Gesamtordens waren, sondern regional unterschiedlich.
Viele Aufschwörschilde gingen durch Kriege, Umbauten und Säkularisationen verloren. Die erhaltenen Exemplare besitzen deshalb hohen Quellenwert. Sie liefern Informationen zur Heraldik, zur Kunstgeschichte und zur sozialen Struktur des Deutschen Ordens. Als materielle Zeugnisse verbinden sie Ordensgeschichte, Memorialkultur und heraldische Sachkultur in besonderer Weise.



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