Philipp von Kendenich: Aus dem Leben eines Landkomturs


Philipp von Kendenich stammte aus einem rheinischen Geschlecht und gehörte der Ballei Koblenz des Deutschen Ordens an. Spätestens vor dem 21. April 1432 ist er als Komtur von Koblenz nachweisbar. Dieses Amt bekleidete er bis zum 19. April 1435.

Im Jahr 1434 stand Philipp an der Spitze der in einer umfassenden Rechenschaft erfassten Koblenzer Ordensverwaltung. Am 11. Juni 1434 erhielt er von Hochmeister Paul von Rusdorf die Vollmacht, Güter des Deutschen Ordens zu verpfänden und auf diesem Wege Geld aufzunehmen. Am selben Tag wurde ihm außerdem gestattet, Ordensbrüder nach Preußen oder an andere Orte zu versetzen. Anlass für diese Maßnahmen waren große wirtschaftliche Schäden, Teuerung und schlechte Weinerträge. Durch die Versetzung von Brüdern konnte die Zahl der vor Ort zu versorgenden Ordensangehörigen vermindert werden.

Am 19. April 1435 entließ der Hochmeister Philipp aus seinem Amt und bestimmte Eberhard von Nackenheim, zuvor Pfundmeister der Kommende Danzig, zu dessen Nachfolger. Die Amtsleute und Brüder in Koblenz wurden angewiesen, Eberhard aufzunehmen, ihn bei seiner Tätigkeit zu unterstützen und ihm Gehorsam zu leisten. Gleichzeitig wurden die Erzbischöfe von Köln und Trier sowie Herzog Adolf von Jülich-Berg über den Amtswechsel unterrichtet und um Unterstützung Eberhards gebeten.

Philipp blieb auch nach dem Verlust seines Amtes im Rheinland. Am 1. November 1435 war sein weiterer Aufenthalt Gegenstand der Korrespondenz zwischen Hochmeister Paul von Rusdorf und Eberhard von Nackenheim. Philipps Verwandte wünschten, dass er weiterhin im Gebiet der Koblenzer Ordensniederlassungen blieb, während die Kommende ihrerseits für ihre Geschäfte auf deren Unterstützung angewiesen war. Daher sollte Philipp für eine gewisse Zeit eine Wohnung bereitgestellt werden.

Auch in den folgenden Jahren blieb Philipp mit Angelegenheiten des Deutschen Ordens verbunden. 1438 wurde er weiterhin im Zusammenhang mit Koblenz und mit Auseinandersetzungen innerhalb des Ordens genannt. Am 2. Februar 1439 wurde er erneut zum Komtur von Koblenz ernannt.


Bereits im August 1439 bestand ein Streit zwischen Philipp und Eberhard von Nackenheim, dessen Ursache jedoch nicht bekannt ist. Selbst der Mainzer Erzbischof Diether befasste sich in einem Schreiben an den Hochmeister vom 17. August 1439 mit diesem Konflikt.

Am 11. September 1439 wandte sich Philipp selbst aus Köln an Hochmeister Paul von Rusdorf und berichtete über seinen Streit mit Eberhard von Nackenheim. Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit wurden außerdem der Herr von Virneburg, Adam von Kirchhof, Gerhard von Benesis, Johann von Godesberg und Johann von Myle genannt. Am 19. November 1439 folgte ein weiteres Schreiben Philipps aus Köln an den Hochmeister. Gegenstand waren erneut Eberhard von Nackenheim sowie Angelegenheiten der Koblenzer Ballei.

Spätestens seit 1441 war Philipp unmittelbar an dem langwierigen Rechtsstreit des Deutschen Ordens mit Hans David und Paul Franckleven beteiligt. Am 10. Januar 1441 trat er in Köln gemeinsam mit dem promovierten Juristen Johann vom Ast in dieser Angelegenheit gegenüber Erzbischof Dietrich von Köln auf.

Der Rechtsstreit beschäftigte ihn auch in den folgenden Monaten. Am 24. Juli 1441 wurde Philipp im Zusammenhang mit einem Verfahren vor westfälischen Freigrafen genannt. Neben ihm erscheint Reinhard von Dalwigk. Weitere undatierte Unterlagen zu dem Verfahren gegen Hans David nennen Philipp ebenfalls gemeinsam mit dem Erzbischof von Köln, Johann von Lünen und dem Freigrafen Reinhard von Dalwigk.

Am 4. April 1442 erhielten Philipp und Thyn von Slenderen, Hauskomtur zu Köln, von Hochmeister Konrad von Erlichshausen eine Vollmacht für Verhandlungen mit Johann David und Paul Frenckelin wegen einer Geldforderung gegen den Deutschen Orden in Preußen vor dem Freistuhl Freienhagen.

Am 9. August 1443 wird Philipp als Komtur zu Berg bezeichnet. An diesem Tag schrieb er an den Hochmeister über Johann Wittershusen, der wegen des Fehlens eines Schreibers seine Rechnungen nicht ordnungsgemäß geführt hatte. Im selben Zusammenhang wurden der Hof Ewersheim sowie eine Fehde zwischen Johann Wittershusen und Celverich von Nackheim behandelt.

Auch nach 1443 blieb Philipp in den Beziehungen zwischen den rheinischen Ordensbrüdern und der Ordensleitung präsent. Am 20. September 1446 wurde in Koblenz ein Streit genannt, an dem Philipp von Kendenich und Werner Overstolz beteiligt waren. Gleichzeitig wurden die Plünderung des Hofes Noithusen durch Leute aus dem klevischen Gebiet und die Schädigung des Hofes Ibersheim durch Johann von Wittershusen behandelt.

Am 1. März 1453 wurde Philipp in einem Schreiben des Koblenzer Komturs Claus von Gielsdorf an den Hochmeister genannt. Anlass waren Streitigkeiten Gielsdorfs mit Brüdern des Ordens. Neben Philipp wurden Emmerich Gryffecla, Werner Overstolz und ein Angehöriger der Familie von Esch genannt. Philipp erscheint dabei als „Herr Philipp von Kendenich“.

Der späteste Nachweis Philipps stammt vom 2. Juli 1459. An diesem Tag wurde er in Köln ausdrücklich unter den Ordensbrüdern genannt. Zusammen mit Philipp erscheinen Dietrich von Ratingen als Priesterbruder, Johann von Bensberg, der Graumäntler Ysermengher und Lambert von Neudorf.

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