Deutschordensritter Franz Joseph von Thürheim


Franz Joseph Theophil Wilhelm Agapitus Kajetan Reichsgraf von Thürheim wurde am 18. August 1740 in Linz geboren. Er war der dritte Sohn des Reichsgrafen Johann Wilhelm von Thürheim und dessen Gemahlin Maria Albertine Reichsgräfin von Sprinzenstein und war eines acht Kindern.

1757 wurde Thürheim als Fähnrich dem Infanterieregiment Franz Wenzel Graf Wallis Nr. 11 zugeteilt. Seine ersten Offiziersjahre standen ganz im Zeichen des Siebenjährigen Krieges, der die Habsburgermonarchie in fast allen Teilen ihres Herrschaftsgebietes militärisch beanspruchte. In diesem Krieg sammelte er jene Erfahrungen, die seine weitere Laufbahn entscheidend prägen sollten. Er galt schon früh als pflichtbewusster und sorgfältiger Offizier, der sich durch Disziplin, Genauigkeit und eine ausgezeichnete Ausbildung seiner Mannschaften auszeichnete.

Nach dem Friedensschluss wurde Thürheim am 24. Februar 1768 zum Major im Infanterieregiment „Darmstadt“ Nr. 35 befördert. Im gleichen Jahr bat er um Aufnahme in den Deutschen Orden. Nach erfolgreichem Abschluss des Aufnahmeverfahrens wurde er 1769 in Mergentheim als Ritter der Ballei Franken in Deutschen Orden aufgenommen.

Mit der Beförderung zum Oberstleutnant im Jahr 1773 erhielt Thürheim das Kommando über ein Grenadierbataillon. In dieser Verwendung trat sein besonderes Talent als Truppenführer deutlich hervor. Er widmete der Ausbildung seiner Soldaten größte Aufmerksamkeit und legte besonderen Wert auf Disziplin und Exaktheit. Seine Vorgesetzten wurden auf den außergewöhnlichen Zustand seines Bataillons aufmerksam, wodurch sich ihm schon bald die Gelegenheit bot, seine Fähigkeiten unmittelbar vor dem Monarchen unter Beweis zu stellen.

Den entscheidenden Wendepunkt seiner militärischen Laufbahn bildete das große Lager bei Prag im Jahr 1776. Während der dort abgehaltenen Manöver führte Thürheim sein Grenadierbataillon vor Kaiser Joseph II. vor. Die Präzision der Bewegungen und der hervorragende Ausbildungsstand der Truppe beeindruckten den Kaiser außerordentlich. Nach Abschluss der Vorführung ritt Joseph II. unmittelbar auf Thürheim zu, reichte ihm die Hand und rief: „Bravo, Thürheim, Bravissimo!“ Diese ungewöhnlich persönliche Anerkennung durch den Monarchen wurde von den anwesenden Generalen und Offizieren mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Auch Feldmarschall Franz Moritz Graf von Lacy sprach Thürheim seine besondere Anerkennung aus und gratulierte ihm am folgenden Morgen nochmals ausdrücklich zu dem gelungenen Auftreten seines Bataillons. Der Regimentsinhaber Patrick Graf Wallis erklärte, dass er Thürheim nur ungern verlieren werde, zugleich aber überzeugt sei, dass dessen Fähigkeiten ihn bald zu höheren Verwendungen berufen würden. Die Ereignisse von Prag begründeten sein persönliches Verhältnis zu Kaiser Joseph II.

Bereits im folgenden Jahr, während eines Maskenballs in Wien, erkannte Joseph II. den Oberstleutnant unter den zahlreichen Gästen wieder, ließ ihn zu sich bitten und unterhielt sich beinahe eine Stunde lang mit ihm. Der Kaiser erinnerte sich dabei an das Prager Manöver und brachte erneut seine Wertschätzung für Thürheim zum Ausdruck. Kurz darauf erfolgte seine Ernennung zum Oberst. Gleichzeitig erhielt er das Kommando über das Infanterieregiment „Karl von Lothringen“ Nr. 3, das damals in Korneuburg stationiert war.

Joseph II. beließ es jedoch nicht bei der Beförderung. Er stellte Thürheim seiner Mutter, Kaiserin Maria Theresia, persönlich vor und empfahl ihn ihr als einen ausgezeichneten Offizier. Die Kaiserin nahm ihn wohlwollend auf und sprach ihm ihre Anerkennung aus. Diese unmittelbare Förderung durch den Kaiser stellte einen außergewöhnlichen Vertrauensbeweis dar und trug wesentlich zu Thürheims weiterer Laufbahn bei.

Mit seinem Regiment nahm Thürheim am Bayerischen Erbfolgekrieg von 1778 bis 1779 teil. Das Regiment wurde im Raum Troppau eingesetzt und versah dort den Vorpostendienst unter General Barco. Der Krieg entwickelte sich weniger zu einer Reihe großer Schlachten als zu einem von Märschen, Sicherungsaufgaben und kleineren Gefechten geprägten Feldzug. Thürheim berichtete wiederholt von Begegnungen mit preußischen Husaren, von eingebrachten Gefangenen und von den ständigen Anforderungen des Vorpostendienstes.

Besonders belastend erwies sich der Winter 1778/79. Schlechte Wege, Versorgungsprobleme und die Witterung erschwerten den militärischen Alltag erheblich. Gleichzeitig musste Thürheim rund 1.600 Rekruten übernehmen, ausbilden und innerhalb kurzer Zeit in den Regimentsverband eingliedern. Trotz dieser außergewöhnlichen Belastung gelang es ihm, die Einsatzfähigkeit seines Regiments aufrechtzuerhalten. Seine Leistungen während dieses Feldzuges festigten endgültig seinen Ruf als einer der zuverlässigsten Regimentskommandeure der kaiserlichen Armee.

Im November 1780 wurde Thürheim nochmals zu Kaiserin Maria Theresia befohlen. Es sollte ihre letzte persönliche Begegnung bleiben. Wenige Tage später starb die Monarchin am 29. November 1780. Thürheim zeigte sich vom Tod der Kaiserin tief bewegt. Als dienstältester Oberst wurde ihm bei den Trauerfeierlichkeiten eine herausgehobene Aufgabe übertragen. Er führte einen Teil der militärischen Ehrenformationen während der Exequien und der Beisetzung. Am Tag des feierlichen Begräbnisses befand er sich von zwei Uhr nachmittags bis halb zehn Uhr abends ununterbrochen zu Pferde und begleitete die Zeremonien bis zu ihrem Abschluss.

Am 15. Mai 1784 wurde Franz Joseph Graf von Thürheim zum Generalmajor ernannt; das Rangdatum wurde auf den 21. Juni desselben Jahres festgesetzt. Mit der Beförderung erhielt er das Kommando über eine Infanteriebrigade in Olmütz, die aus sechs Bataillonen bestand. Gleichzeitig bekleidete er die Würde eines kaiserlichen Kämmerers.


Kaiser Joseph II. setzte sich persönlich für seine Förderung im Deutschen Orden ein und beauftragte Reichsvizekanzler Fürst Colloredo, sich beim Landkomtur der Ballei Franken für Thürheim zu verwenden. Der Kaiser brachte damit unmissverständlich zum Ausdruck, dass er den Generalmajor auch innerhalb des Deutschen Ordens in einer herausgehobenen Stellung sehen wollte. Am 2. Februar 1785 wurde Thürheim zum Komtur der Kommende Sachsenhausen ernannt.

Die letzten Jahre seiner aktiven Militärlaufbahn wurden durch den Ausbruch des Türkenkrieges bestimmt. 1788 wurde Thürheim als Generalquartiermeister dem Korps des Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg zugeteilt, das in der Bukowina und in der Moldau operierte. Die Stellung des Generalquartiermeisters verlangte neben militärischer Erfahrung vor allem organisatorisches Geschick. Märsche, Lagerplätze, Versorgung und die Bewegungen der Truppen mussten unter oft schwierigsten Bedingungen vorbereitet und koordiniert werden. Die militärischen Operationen in den südöstlichen Grenzgebieten der Monarchie stellten hohe Anforderungen an alle beteiligten Offiziere.

Die Strapazen dieses Feldzuges beeinträchtigten Thürheims Gesundheit nachhaltig. Nach dem Ende des Krieges entschloss er sich, den aktiven Militärdienst aufzugeben.

Am 2. Februar 1789 wurde er zum Komtur der Kommende Oettingen ernannt. Bereits zwei Jahre später, 1791, wurde Thürheim zum Vize-Statthalter der schlesischen Besitzungen des Deutschen Ordens mit Sitz in Freudenthal ernannt und übernahm das Amt in einer Zeit zunehmender politischer Veränderungen. 1798 erfolgte schließlich seine Ernennung zum Statthalter in Freudenthal, was er bis 1806 blieb.

Ein württembergischer Bericht aus dem Jahr 1805 hielt ausdrücklich fest, dass sich der Komtur nur ausnahmsweise in Oettingen aufhalte und die Verwaltung weitgehend anderen überlassen bleibe. Thürheim erscheine daher mehr als Titularkomtur denn als tatsächlich verwaltender Komtur. Diese Feststellung war allerdings weniger Ausdruck mangelnden Interesses als vielmehr unmittelbare Folge seiner umfangreichen Verpflichtungen als Statthalter in Freudenthal. Neben seinen Verwaltungsaufgaben bekleidete Thürheim über längere Zeit das Amt des Obersthofmeisters bei Erzherzog Anton Viktor, dem Hochmeister des Deutschen Ordens.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Thürheim überwiegend in Wien und führte weiterhin den Titel eines Komturs von Oettingen. Hier war er Mitglied der Freimaurerloge 'Zur gekrönten Hoffnung' und hier verstarb er am 3. Mai 1824 im Alter von 83 Jahren.

- Quellen -

Hopfenzitz, Josef: Kommende Oettingen Deutschen Ordens (1242–1805), Bonn-Bad Godesberg 1975

Seiler, Jörg: Der Deutsche Orden in Frankfurt. Gestalt und Funktion einer geistlich-ritterlichen Institution in ihrem reichsöffentlichen Umfeld., Marburg 2003

Wurzbach, Constant von: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Bd. 44: Terlago–Thürmer. Wien 1882, S. 286–288 (Franz Joseph Graf von Thürheim) sowie S. 269–309 (Genealogie der Grafen von Thürheim). Online verfügbar unter: Austria-Forum – Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Band 44⁠

Thürheim, Andreas Graf von: Die in Oberösterreich ansässigen Reichsgrafen von Thürheim, Freiherrn auf Bibrachzell, Herren von Ober- und Niederreichenbach. Stammtafeln. Salzburg 1895.

Raiser, Johann Nepomuk von: „Thürheim. Geschlechts- und Ortsgeschichte“, in: Denkwürdigkeiten des Ober-Donau-Kreises, Bd. 1. Augsburg 1825, S. 36–50

Historisches Lexikon Bayerns: „Thürheim, Herren/Grafen von“. Online: Historisches Lexikon Bayerns – Thürheim, Herren/Grafen von⁠

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