Kontinuität oder Neugründung? Die Entstehung des Deutschen Ordens im Licht der Quellen (1)


Teil I – Das deutsche Hospital in Jerusalem

Fast jede Darstellung lässt die Geschichte des Deutschen Ordens 1190 vor Akkon beginnen. Bereits vorher bestand jedoch in Jerusalem ein deutsches Hospital St. Maria. Was aus dieser Gemeinschaft nach dem Fall Jerusalems 1187 wurde, ist die entscheidende Frage.

Die älteste sichere Nachricht stammt aus dem Jahr 1143. Papst Coelestin II. bestätigte damals die Oberhoheit der Johanniter über das deutsche Hospital und die benachbarte Marienkirche. Zugleich bestimmte er, dass Prior und Dienende Deutsche sein sollten, damit deutschsprachige Arme und Kranke in ihrer eigenen Sprache betreut werden konnten.¹

Das Hospital besaß damit eine eigene Leitung und eine eigene Aufgabe, blieb aber dem Johanniterorden unterstellt. Es war also keine selbständige Ordensgemeinschaft, sondern eine deutsche Hospitalgemeinschaft innerhalb der johannitischen Ordnung.

Über die Brüder selbst sagen die frühen Urkunden nichts. Weder die Urkunde von 1143 noch die Schenkungen von 1173 und 1177 nennen einen Prior oder einen einzelnen Bruder mit Namen. Personelle Kontinuität lässt sich deshalb später weder beweisen noch ausschließen.²

Besser fassbar ist die wirtschaftliche Grundlage. König Amalrich I. schenkte dem deutschen Hospital 1173 vierhundert Byzantiner aus der Funda von Nablus, vier Casalia im Gebiet von St. Abraham und Bethsan sowie Getreide- und Gerstenabgaben aus seinen Gütern in Jerusalem und Nablus.³ Im Jahr 1177 kamen dreihundert Byzantiner jährlich aus dem Davidstor hinzu.⁴

Diese Ausstattung zeigt, dass das Hospital nicht nur eine provisorische Pilgerherberge war. Es verfügte über regelmäßige Einkünfte, die seine Arbeit dauerhaft tragen sollten.

Auffällig ist die Lage dieser Einkünfte. Ein erheblicher Teil stammte aus Jerusalem, Nablus und dem Binnenland des Königreichs. Gerade diese Grundlage wurde nach der Niederlage bei Hattin und dem Fall Jerusalems 1187 zerstört oder unzugänglich.

Bis 1177 ist das deutsche Hospital in Jerusalem urkundlich greifbar. Danach schweigen die Quellen zunächst. Erst vor Akkon begegnet uns wieder eine deutsche Hospitalgemeinschaft.  (Teil 2)

Fußnoten

1 Shlomo Lotan: Jerusalem in the Traditions of the Teutonic Military Order – Symbolism and Uniqueness. In: Zapiski Historyczne 75/4, Toruń 2010, S. 543f.; Ernst Strehlke (Hrsg.): Tabulae Ordinis Theutonici, Berlin 1869, Nr. 1.

2 Ernst Strehlke (Hrsg.): Tabulae Ordinis Theutonici, Berlin 1869, Nr. 1–3.

3 Ernst Strehlke (Hrsg.): Tabulae Ordinis Theutonici, Berlin 1869, Nr. 2; Shlomo Lotan: Jerusalem in the Traditions of the Teutonic Military Order – Symbolism and Uniqueness. In: Zapiski Historyczne 75/4, Toruń 2010, S. 544.

4 Ernst Strehlke (Hrsg.): Tabulae Ordinis Theutonici, Berlin 1869, Nr. 3; Shlomo Lotan: Jerusalem in the Traditions of the Teutonic Military Order – Symbolism and Uniqueness. In: Zapiski Historyczne 75/4, Toruń 2010, S. 544.

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