Hermann von Salza als Begleiter Wilbrands von Oldenburg auf der Gesandtschaft nach Kilikisch-Armenien (1211–1212)


Im Sommer 1211 brach der Hildesheimer Domherr Wilbrand von Oldenburg im Auftrag Kaiser Ottos IV. zu einer Gesandtschaft in den östlichen Mittelmeerraum auf. Der Reise gehörten außerdem Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens, sowie Gesandte Herzog Leopolds VI. von Österreich an. Wilbrand schilderte die Reise später in seinem Itinerarium Terrae Sanctae, das zu den wichtigsten zeitgenössischen Quellen für den östlichen Mittelmeerraum zu Beginn des 13. Jahrhunderts zählt.

Die Reise begann wahrscheinlich Mitte Juli 1211 mit der Einschiffung in Süditalien. Hermann von Salza gehörte bereits zu diesem Zeitpunkt der Gesandtschaft an. Nach einer etwa sechswöchigen Seereise erreichte die Reisegesellschaft am 25. August Akkon. Von dort führte der Weg entlang der Küste über die Kreuzfahrerstaaten nach Norden, weiter durch das Fürstentum Antiochia und anschließend in das Königreich Kilikisch-Armenien. Nach mehreren Monaten am armenischen Königshof führte die Rückreise über Zypern wieder nach Akkon.

In Kilikisch-Armenien wurde die Gesandtschaft von König Leo II. empfangen. Wilbrand überbrachte die Botschaften Kaiser Ottos IV., die österreichischen Gesandten vertraten Herzog Leopold VI., und Hermann von Salza gehörte während des gesamten Aufenthaltes zur Gesandtschaft. Wilbrand berichtet von mehreren Begegnungen mit dem König sowie von Aufenthalten an verschiedenen königlichen Residenzen. Seine Schilderungen vermitteln einen Einblick in das höfische Leben des armenischen Königreiches und in die Beziehungen zwischen dem Königshof und den Besuchern aus dem Abendland.

Während der folgenden Wochen bereiste die Gesandtschaft verschiedene Teile des Königreiches. Wilbrand beschreibt den Reiseweg, die Landschaften, Gebirgspässe und Verkehrswege ebenso wie Burgen, Städte und Kirchen. Einen breiten Raum nimmt die Schilderung des Epiphaniefestes am Hof König Leos ein, an dem die Gesandtschaft teilnahm. Hermann von Salza wird dabei mehrfach als Mitglied der Reisegesellschaft greifbar, ohne dass Wilbrand seine persönlichen Aufgaben näher beschreibt.

Der Aufenthalt der Gesandtschaft fällt in eine Phase enger Beziehungen zwischen dem armenischen Königshof und dem Deutschen Orden. Bereits im Jahr 1212 übertrug König Leo dem Deutschen Orden die Burg Amuda sowie weitere Besitzungen und Rechte in Kilikien. Diese Schenkungen erfolgten kurz nach dem Aufenthalt Hermanns von Salza am königlichen Hof. Das Itinerarium berichtet über die Reise selbst, erwähnt die späteren Besitzübertragungen jedoch nicht.

Nach mehreren Monaten verließ die Gesandtschaft Kilikisch-Armenien. Der Rückweg führte über Zypern nach Akkon. Bis zur Rückkehr gehörte Hermann von Salza weiterhin zur Reisegesellschaft. Wilbrand setzte anschließend seine Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten fort. Hermann von Salza wird im weiteren Verlauf des Itinerarium nicht mehr erwähnt, sodass sich sein weiterer Reiseweg aus dieser Quelle nicht mehr verfolgen lässt.

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