Franz von Hatzfeld-Wildenburg - Komtur, Diplomat und Gesandter


Franz von Hatzfeld-Wildenburg war ein Sohn Georgs von Hatzfeld und dessen Ehefrau Katharina. Seine Aufnahme in den Deutschen Orden erfolgte wahrscheinlich bereits im Jahr 1523. Darauf weist sein bis heute erhaltener Aufschwörschild hin.

Bereits 1548 erscheint Franz von Hatzfeld im engeren Umfeld der Ordensleitung. In diesem Jahr hielt er sich mit einem Empfehlungsschreiben des livländischen Ordensmeisters Hermann von Brüggenei bei Hochmeister Wolfgang Schutzbar gen. Milchling auf. Schon früh war er damit in die Beziehungen zwischen der Ordensleitung im Reich und dem livländischen Ordenszweig eingebunden. Diese Kontakte bildeten die Grundlage für seine späteren diplomatischen Aufgaben und zeigen, dass er bereits damals das Vertrauen der livländischen Ordensführung genoss.
Spätestens seit 1551 war er Komtur der Kommende Oberflörsheim.

Nach dem Rücktritt Philipps von Bicken wurde Franz von Hatzfeld am 26. Juli 1556 durch den Landkomtur Johann von Rehen und Joachim Augustin von Berlepsch feierlich als Komtur der Kommende Griefstedt eingeführt.
Zu Beginn seiner Amtszeit ließ er die durch Hochwasser beschädigten Dämme instand setzen. Die umfangreichen Arbeiten belasteten die Finanzen der Kommende erheblich, sodass er beim Landkomtur um finanzielle Erleichterungen nachsuchte.

Mit den Bewohnern der Ordensdörfer kam es wiederholt zu Konflikten. Besonders die Untertanen von Waltersdorf stritten mit der Kommende über Frondienste, Weiderechte und Besitzgrenzen. Mehrfach wurden kurfürstliche Schiedstage einberufen. Im Jahr 1568 gelang es Hatzfeld schließlich, mit dem Rat der Stadt Weißensee einen Vertrag abzuschließen, der mehrere dieser langjährigen Streitigkeiten beilegte.
Neben der Verwaltung der Kommende wurde Franz von Hatzfeld regelmäßig mit Aufgaben für die gesamte Ballei betraut. Johann von Rehen beauftragte ihn beispielsweise, auf dem Markt von Buttstädt dreiunddreißig Ochsen für die Marburger Landkommende anzukaufen.

Während seiner gesamten Amtszeit musste er sich gegen die zunehmenden Eingriffe der kursächsischen Behörden behaupten. Bereits 1561 berichtete er Johann von Rehen von Äußerungen des kursächsischen Rates Dr. Morbeisen, der die Einsetzungsrechte des Hochmeisters innerhalb des Kurfürstentums Sachsen grundsätzlich in Frage stellte. Wiederholt verlangte der Kurfürst die Stellung von Wagen, Pferden und Personal für landesherrliche Dienste. Als bei einer Dienstfahrt zwei Pferde verendeten und der Geschirrmeister überhöhte Auslagen abrechnete, ließ Hatzfeld ihn zeitweise festsetzen. Herzog August wandelte diese Verpflichtungen später in eine jährliche Zahlung von 200 Gulden um. Zeitweise drohten kursächsische Räte sogar mit der Beschlagnahme der Kommende Griefstedt, falls rückständige Zahlungen nicht geleistet würden. In zahlreichen Schreiben verteidigte Hatzfeld konsequent die Rechte und Freiheiten des Deutschen Ordens gegenüber den territorialen Ansprüchen des Kurfürstentums Sachsen.

Ebenso entschieden trat er in kirchlichen Angelegenheiten auf. Er setzte sich für den Schulmeister und Küster Johannes Lutzbach ein, den die evangelischen Kirchenbehörden seines Amtes entheben wollten. Trotz seines Einsatzes wurde Lutzbach schließlich aus dem kursächsischen Gebiet entfernt. Der Vorgang verdeutlicht Hatzfelds Bemühen, die Patronatsrechte des Deutschen Ordens auch unter veränderten konfessionellen Verhältnissen zu bewahren.


Großes Vertrauen genoss Franz von Hatzfeld bei den Hochmeistern Wolfgang Schutzbar gen. Milchling, Georg Hund von Wenkheim und Heinrich von Bobenhausen. Unter allen dreien wurde er wiederholt mit wichtigen Aufgaben betraut. Darüber hinaus setzte ihn auch der sächsische Kurfürst mehrfach als Kommissar für Verhandlungen ein. Diese Reisen und Aufträge verursachten erhebliche persönliche Kosten, die Hatzfeld zunächst selbst tragen musste.

Den Höhepunkt seiner Laufbahn bildete die Gesandtschaft an den Hof des Zaren Iwan IV. in den Jahren 1564 und 1565. Gemeinsam mit den Komturen Bernhard von Beverningen, Theobald von Ronsberg und Melchior Dermo sowie den Räten Johann Wagner und Oswald Lurzing brach er im August 1564 auf dem Seeweg nach Moskau auf. Ziel der Mission war die Freilassung des gefangenen livländischen Ordensmeisters Wilhelm von Fürstenberg sowie die Aufnahme von Verhandlungen über die Zukunft Livlands und Kurlands. Die Reise dauerte nahezu ein Jahr. Am 9. Januar 1565 unterzeichnete Hatzfeld in Moskau persönlich die Verhandlungsakten und gehörte damit zu den führenden Vertretern der Gesandtschaft.

Auch auf Reichsebene blieb Hatzfeld tätig. Im Jahr 1570 hielt er sich beim Reichstag zu Speyer auf, dessen erhebliche Reisekosten er später selbst erwähnte. Im selben Jahr gehörte er unter der Leitung des Hochmeisters Georg Hund von Wenkheim zu dem Gefolge, das Anna von Österreich auf ihrer Brautfahrt in die Niederlande begleitete, wo sie König Philipp II. von Spanien übergeben wurde.

Im Zusammenhang mit den Ereignissen des Grumbachschen Krieges nahm Franz von Hatzfeld an einer großen Musterung bei Langensalza teil. Daneben ist überliefert, dass er leidenschaftlich der Jagd nachging und deshalb gemeinsam mit anderen Adeligen in Auseinandersetzungen über Jagdrechte verwickelt wurde.

Seine letzten Lebensjahre waren von zunehmender körperlicher Gebrechlichkeit geprägt. Dennoch blieb er bis zu seinem Tod Komtur von Griefstedt. Franz von Hatzfeld starb am 19. Dezember 1574. Die feierliche Bestattung erfolgte am 9. Januar 1575.

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