Inventar und Raumstruktur der Deutschordenskommende Münnerstadt um 1543/1544


(F) Die Inventare der Deutschordenskommende Münnerstadt aus den Jahren 1543 und 1544 erlauben einen ungewöhnlich dichten Einblick in die innere Organisation eines fränkischen Ordenshauses des Deutschen Ordens im 16. Jahrhundert. Die Aufzeichnungen erfassen nicht nur Möbel und Hausrat, sondern machen die soziale Gliederung, die Raumfunktionen und die wirtschaftliche Struktur der Kommende sichtbar. Das Haus erscheint dabei als gegliedertes Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum mit repräsentativen Wohnräumen, Verwaltungsbereichen und umfangreichen Wirtschaftsgebäuden.

Das Inventar entstand im Zusammenhang mit einem Wechsel des Komturs im Jahr 1544. Dadurch wurde die Ausstattung der Räume systematisch erfasst. Die Inventarisierung erlaubt es, die Kommende als gegliedertes Gefüge verschiedener Funktionsbereiche zu erkennen: Wohnräume des Komturs, Kammern einzelner Amtsträger, Verwaltungsräume, Wirtschaftsbereiche sowie gemeinschaftlich genutzte Räume standen nebeneinander und bildeten zusammen den inneren Organismus des Hauses.

Genannt werden neben dem Komtur ein Kaplan der Elisabethkapelle, ein Schulmeister, ein Kellerer, ein Schreiber, drei Knechte, vier Mägde und ein Hirte. Bereits diese Zusammensetzung zeigt, dass die Kommende nicht allein geistliches Ordenshaus war, sondern zugleich Verwaltungs- und Wirtschaftsbetrieb mit umfangreicher personeller Infrastruktur.

Die Inventare nennen folgende Räume der Kommende:

1 Stube des Komturs

2 Oberer Saal

3 Kammer des Komturs

4 Gästekammer

5 Untere Stube

6 Kammer des Herrn Hans

7 Kammer des Herrn Wolf

8 Kammer des Herrn Endres

9 Stube des Pfarrers

10 Kammer des Pfarrers

11 Unterer Saal

12 Kammer des Hofmeisters

Bereits diese Raumfolge zeigt eine klare soziale und funktionale Hierarchie innerhalb des Hauses. Die Kommende besaß nicht nur repräsentative Wohnräume des Komturs, sondern auch eigene Kammern für einzelne Funktionsträger und Gäste. Daneben treten Verwaltungs- und Wirtschaftsbereiche deutlich hervor.

Den größten Anteil der Ausstattung bildeten Betten und Bettstattungen. Genannt werden Bettladen mit Strohsäcken, Unter- und Oberbetten, Pfülben, Kissen, Decken und weiterem Bettzeug. Die Vielzahl der Schlafstellen zeigt eine gegliederte Wohnordnung innerhalb der Kommende. Mehrere Personen verfügten über eigene Kammern oder fest zugewiesene Schlafbereiche. Daneben erscheinen einfachere Ruhe- oder Liegestellen.

Die reichste Ausstattung konzentrierte sich auf die Räume des Komturs. In der Stube des Komturs standen Tische, Truhen und aufwendigere textile Ausstattungen. Hinzu kamen Kissen, Decken und weitere Gegenstände gehobener Wohnkultur. In der Kammer des Komturs befanden sich vollständige Bettstattungen mit Bettladen, Strohsäcken, Unter- und Oberbetten sowie weiteren Schlafmöbeln. Besonders auffällig ist das sogenannte Lotterbett oder Faulbett, eine einfachere Liege- oder Ruhestelle. Solche Lotterbetten erscheinen in Münnerstadt ausschließlich beim Komtur und beim Treßler, was auf die besondere soziale Stellung dieser Personen hinweist. Die Ausstattung der Komtursräume zeigt insgesamt eine Wohnkultur, die sich stärker an adeligen Haushalten orientierte als an strenger klösterlicher Schlichtheit.

Auch die Gästekammer besaß eigene Bettstattungen und grundlegende Wohnmöbel. Ihre Existenz zeigt, dass die Kommende regelmäßig Besucher oder reisende Gäste aufnehmen konnte. Die Kammern des Herrn Hans, des Herrn Wolf und des Herrn Endres erscheinen deutlich schlichter ausgestattet. Dort dürften sich vor allem Bettladen, Truhen, Kissen, Decken und einfache Aufbewahrungsmöbel befunden haben. Dennoch zeigt bereits die personengebundene Benennung der Räume eine stark gegliederte Wohnordnung innerhalb des Hauses.

Die Stube und Kammer des Pfarrers beziehungsweise Kaplans bildeten offenbar einen eigenen Funktionsbereich innerhalb der Kommende. Auch dort sind Bettstattungen, Truhen und einfache Wohnmöbel anzunehmen. Die Kammer des Hofmeisters verweist wiederum auf die organisatorische Struktur des Hauses und auf die Vielzahl spezialisierter Aufgabenbereiche innerhalb der Kommende.

Von besonderer Bedeutung waren die Verwaltungsbereiche der Kommende. Die Inventare nennen einen Schreiber sowie verschiedene Behältnisse und Möbel zur Ordnung und Aufbewahrung administrativer Unterlagen. Schubladenmöbel, Truhen und andere Aufbewahrungsmöbel zeigen, dass innerhalb der Kommende umfangreiche Verwaltungsaufgaben wahrgenommen wurden. Die Niederlassung diente damit zugleich als Zentrum ordensherrschaftlicher Organisation.

Auch die Wirtschaftsbereiche der Kommende treten ungewöhnlich deutlich hervor. Besonders ausführlich beschreiben die Inventare Küche, Keller und Vorratsräume. Genannt werden zahlreiche Küchengeräte, darunter Zinnteller, eiserne Löffel und zwei kupferne Eimer. Auffällig ist dabei die soziale Differenzierung des Geschirrs: Hochwertigeres Geschirr war offenbar den höhergestellten Bewohnern vorbehalten, während einfachere Holzgefäße vermutlich dem Gesinde dienten.

Das Kelterhaus gehörte zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen der Kommende. Dort befanden sich mehrere Keltern sowie zahlreiche Fässer unterschiedlicher Größe und Qualität. Zusätzlich werden Bierbottiche erwähnt, die auf eigenes Brauen innerhalb der Kommende hinweisen. Die Wirtschaftsführung der Niederlassung war damit erheblich umfangreicher, als es der Begriff eines bloßen Ordenshauses vermuten ließe.

Auch landwirtschaftliche Geräte erscheinen im Inventar. Genannt werden unter anderem Heugabeln, Sägen und Hacken. Hinzu kamen Wagen unterschiedlicher Funktion: ein sogenannter Rüstwagen, ein Holzwagen und zwei Mistwagen. Der Rüstwagen war dabei vermutlich ein Transportwagen für Güter und Versorgung. Die Kommende erscheint dadurch zugleich als landwirtschaftlicher Großbetrieb mit eigener Infrastruktur für Transport, Lagerung und Versorgung.

Auch gemeinschaftliche Räume treten weniger stark hervor, als man es bei einem mittelalterlichen Konvent erwarten würde. Zwar erscheinen größere Säle und Stuben, doch fehlt ein eindeutig dominierender gemeinsamer Speiseraum. Wahrscheinlich erfüllten die größeren Räume mehrere Funktionen zugleich, etwa als Aufenthalts-, Versammlungs- und Speiseräume. Die ältere konventuale Lebensform des Ordens scheint damit bereits deutlich verändert gewesen zu sein.

Die Inventare der Kommende Münnerstadt zeigen insgesamt ein stark gegliedertes Ordenshaus, in dem Wohnen, Verwaltung, Versorgung und Wirtschaft eng miteinander verbunden waren. Sicher belegt sind Bettladen mit vollständigem Bettzeug, Lotterbetten, Truhen, Schubladenmöbel, Tische, textile Ausstattungen, Verwaltungs- und Archivmöbel, umfangreiche Küchengeräte, Keltern, Bierbottiche, Vorratsfässer, landwirtschaftliche Werkzeuge und Transportwagen. Die Kommende erscheint damit als komplex organisierter Verwaltungs- und Wirtschaftshof des Deutschen Ordens im Franken des 16. Jahrhunderts.

- Literatur -

Helmut Flachenecker, „Inventare als Spiegel der Wohn- und Lebenssituation des 16. Jahrhunderts in den Kommenden Würzburg und Münnerstadt“, in: Ordines Militares Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. 29, 2024

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