Audita tremendi - Die Kreuzzugsbulle Papst Gregor VIII.
Nachdem wir von der Schwere des furchtbaren Gerichts gehört haben, das die göttliche Hand über das Land Jerusalem verhängt hat, sind wir und unsere Brüder von so großem Schmerz und Schrecken erfüllt worden, dass wir kaum wissen, was wir tun oder wohin wir uns wenden sollen. Wir können nur mit dem Propheten klagen: ‚O Gott, Heiden sind in dein Erbe eingedrungen; sie haben deinen heiligen Tempel entweiht; Jerusalem haben sie zu einem Trümmerhaufen gemacht.‘
Denn die Stadt, die der Erlöser der Menschheit durch sein eigenes Blut geheiligt hat und die er durch sein Leiden und seine Auferstehung ausgezeichnet hat, ist wegen unserer Sünden den Feinden des christlichen Namens preisgegeben worden. Die heiligen Stätten werden von einem gottlosen Volk entweiht.
Wer könnte davon hören, ohne in Tränen auszubrechen? Wer könnte davon sprechen, ohne tiefsten Schmerz zu empfinden? Das Kreuz des Herrn ist in die Hände der Ungläubigen gefallen; Bischöfe wurden getötet, Priester erschlagen, die Brüder des Tempels und des Hospitals hingemordet, der König gefangen genommen und fast das gesamte christliche Heer vernichtet.
Doch dürfen wir nicht glauben, dass dies ohne gerechten Grund geschehen sei. Die göttliche Gerechtigkeit hat uns wegen unserer Vergehen gezüchtigt. Denn Stolz, Luxus, Habgier, Zwietracht und Unzucht haben sich unter den Christen verbreitet. Kaum jemand lebt noch in Gottesfurcht oder handelt gerecht.
Darum hat der Herr uns durch diese Geißel schlagen wollen, damit wir unsere Schuld erkennen. Nicht die Stärke der Feinde hat dies bewirkt, sondern unsere Bosheit. Denn wäre das christliche Volk Gott treu geblieben, hätte kein feindliches Volk gegen uns bestehen können.
Deshalb sollen alle Gläubigen erkennen, dass sie durch wahre Buße und aufrichtige Umkehr den Zorn Gottes besänftigen müssen. Niemand soll sich eitlen Vergnügungen hingeben; vielmehr sollen Fasten, Gebete und Almosen dargebracht werden.
Wir ermahnen daher Könige, Fürsten, Herzöge, Grafen, Barone und alle Christen, stark im Glauben zu sein und mutig für Christus einzutreten. Sie sollen bedenken, dass Christus selbst sein Leben für uns hingegeben hat.
Darum sollen jene, die dazu die Kraft besitzen, sich aufmachen zur Hilfe für das Land, das der Herr durch seine Gegenwart geheiligt hat. Sie sollen nicht zögern, Mühen, Gefahren und selbst den Tod für den Namen Christi auf sich zu nehmen. Denn wer sein Leben um Christi willen verliert, wird es gewinnen.
Allen aber, die mit zerknirschtem Herzen und wahrer Buße dieses Werk übernehmen und zur Befreiung des Heiligen Landes ausziehen, gewähren wir kraft der Autorität der heiligen Apostel Petrus und Paulus vollen Nachlass ihrer Sünden, die sie bereut und bekannt haben.
Außerdem nehmen wir ihre Personen und ihren Besitz unter den Schutz der heiligen römischen Kirche. Niemand soll während ihrer Abwesenheit ihre Güter antasten oder sie mit neuen Forderungen bedrängen.
Wir bestimmen ferner, dass jene, die dieses heilige Gelübde ablegen, schlichte Kleidung tragen und in Demut und Gottesfurcht leben sollen.
Ferner befehlen wir, dass in allen Kirchen öffentliche Gebete gehalten werden, damit Gott seinem Volk wieder gnädig werde und das Heilige Land befreit werde.
Gegeben zu Ferrara am 29. Oktober im ersten Jahr unseres Pontifikates.
Gregorius VIII.



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