Kirche Sankt Maria der Deutschen in Jerusalem – Geschichte und bauliche Beschreibung
(zum Film) Die Kirche Sankt Maria der Deutschen befand sich im südlichen Teil des
heutigen Muristan, nahe der Grabeskirche in Jerusalem. Sie wurde um das Jahr
1127 zusammen mit einem Hospital für deutsche Pilger errichtet. Zeitgenössische
Quellen bezeichnen sie als „ecclesia beatae Mariae Theutonicorum“. Die Kirche
diente als Gotteshaus für Pilger und Kranke, die im benachbarten Hospital
Aufnahme fanden und hatte eine Größe von 12 x 20 Metern. 1229 wurde das
Hospital mitsamt der Kirche von Kaiser Friedrich II. offiziell dem Deutschen
Orden übergeben, der die Anlage bis zum Fall Jerusalems 1244 nutzte. Mit dem
endgültigen Verlust der Stadt an muslimische Truppen verfiel die Kirche, und
ihre baulichen Überreste gerieten für lange Zeit in Vergessenheit.
Archäologische Untersuchungen haben jedoch wesentliche Teile der Kirche und
der zugehörigen Bauten freigelegt. Die Kirche war eine dreischiffige Basilika
mit vier Jochen und einem Dreiapsidenschluss im Osten, dessen Außenmauern
gerade abschlossen. Unter der Kirche befand sich eine tief in das Gelände
eingelassene Krypta, die heute teilweise erhalten ist. Die Basilika war von
weiteren Gebäudeteilen umgeben: Nördlich schloss sich eine dreischiffige Halle
mit acht Jochen an, während im Süden eine zweischiffige Unterhalle mit fünf
Jochen lag. Letztere war in das abfallende Gelände eingebaut und reichte mit
ihrem Obergeschoss an das Niveau des Kirchenbodens heran.
Für den Bau wurde lokaler Kalkstein verwendet, wie er im Jerusalemer
Stadtbild der Kreuzfahrerzeit üblich war. Die Reste der Kirche zeigen typische
Elemente der romanischen Baukunst der Kreuzfahrer, etwa kräftige Stützpfeiler,
Rundbogenarkaden und Tonnengewölbe in Teilen der Nebenhallen.
Heute sind von der Kirche noch einige Teile der Mauern erhalten. Teile der
Fundamente, Reste der Krypta sowie Abschnitte der südlichen und nördlichen
Hallen sind im Bereich des Muristan freigelegt und zugänglich. Sie lassen die
ursprüngliche Gliederung des Bauwerks als Basilika mit umfassendem
Hospitalkomplex deutlich erkennen. Die Lage der Kirche an einem Geländeabhang
erklärt die architektonische Lösung mit Unterbauten, die sowohl die Krypta als
auch die angrenzenden Hallen trugen.
Doch wie wirkte die Kirche auf einen Besucher?
Eine romanische Kirche mit einer Grundfläche von etwa 12 × 20 Metern,
niedrigen Seitenschiffen und einem erhöhten Mittelschiff war im Inneren
deutlich dunkler, als moderne Besucher oft erwarten würden. Der Raum war nicht
gleichmäßig beleuchtet, sondern zeigte starke Unterschiede zwischen hellen und
schattigen Bereichen. Ursache dafür waren die kleinen Fensteröffnungen, die
dicken Mauern und die klare Gliederung in Mittelschiff, Seitenschiffe und
Chorraum.
Der hellste Bereich der Kirche war der Chorraum. Dort befand sich ebenfalls
ein kleines, schmales Ostfenster hinter dem Altar. Besonders in den
Morgenstunden fiel durch dieses Fenster Licht direkt in die Apsis. Dadurch
wurden der Altar, die Stufen davor und der Priester hervorgehoben. Auf dem
Boden entstanden helle Lichtflächen, die sich je nach Tageszeit verschoben.
Auch Wandbilder oder Mosaiken in der Apsis profitierten davon. Darstellungen
von Christus oder Heiligen waren so gestaltet, dass sie auch bei schwacher
Beleuchtung sichtbar blieben. Das Licht des Ostfensters ließ Goldflächen
glänzen und verstärkte die Wirkung roter und blauer Farbtöne.
Insgesamt war die Lichtwirkung in einer romanischen Kirche bewusst zurückhaltend. Anders als in der Gotik, wo große Fenster und helle Innenräume angestrebt wurden, erzeugten romanische Kirchen eine schwere, konzentrierte und teilweise geheimnisvolle Atmosphäre. Licht und Dunkelheit standen in starkem Kontrast. Der Blick wurde auf den Altar und die Apsis gelenkt, während große Teile des übrigen Raumes im Halbschatten blieben.







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