Hochmeister Max Franz von Österreich und seine Notensammlung.


Hochmeister Max Franz von Österreich war ein großer Musikliebhaber. Er galt als guter Sänger und spielte mit Begeisterung Bratsche.

In seiner Bonner Residenz sammelte er über Jahre Musik. Genauer gesagt, die neuesten Werke: von der Oper, über den Konzertsaal, bis zur Hofkapelle. Ermutigend war hierbei ein offenes Publikum, welches sogar schwierige Werke schätze. Die lange Musiktradition des Bonner Hofes hatte bereits unter Hochmeister-Erzbischof Clemens August von Bayern einen Höhepunkt erfahren, der den seinerzeit berühmten Komponisten Giuseppe Clemente dall' Abaco erst als Cellisten und dann als Hofmusikdirektor angestellt hatte.

Da die Noten stets für den Gebrauch bestimmt waren, wurden sie dezentral gelagert, also an den Orten ihres Einsatzes. Dies erleichterte die Lagerung und den Zugriff, da man kein eigenes Depot/Notenarchiv benötigte. Gekaufte Musikstücke wurden für den Bedarf abgeschrieben, dass Original aber unter Verschluss gehalten. Handelte es sich doch bei jedem Erwerb um eine kostspielige Investition. Der Erwerb eines 'kleinen Konzertes' kostete mehr, denn ein Musiker im Jahr verdiente. Übrigens verlor der Komponist mit dem Verkauf auch alle Rechte an seiner Komposition und dürfte auch keine Abschrift für sich zurückbehalten. Dies erklärt auch, warum einige Kompositionen so schwer zuzuordnen sind. Sie liegen dann in einer Sammlung, ohne Verweis auf den Komponisten.

Doch erwarb Hochmeister Max Franz nicht nur "eigene" Kompositionen, sondern kaufte auch "veröffentlichte". So z.B. Mozarts späte Opern. In den Ohren des Wiener Hofes nicht besonders beliebt, wurden sie am Bonner Hof durchaus geschätzt. Generell stand aber nichts lange auf dem Spielplan, da keiner sich zehnmal hintereinander dasselbe Konzert anhören oder die dieselbe Oper anschauen möchte. Und im Gegensatz zu heute, wo wir immer noch 'das Beste aus den 90ern' hören, wollte damals keiner eine alte Kamelle.

Als 1794 die Flucht vor den französischen Truppen begann, wurden über 3.500 Werke in Kisten verpackt. Es handelte sich um tausende von Mappen und Blättern, die dann später auf Erbwegen (1830) nach Modena in die Biblioteca Estense gelangten.

Bereits zu Lebzeiten als bedeutender Musiksammler geltend, wird die Sammlung des Hochmeisters und Kurfürst-Erzbischofs Max Franz von Österreich durch die Universität Wien neu bearbeitet.

P. Damian Hungs OT

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