Biographie zum Bild. - Heinrich Moritz von Berlepsch
Das obere Bildnis zeigt den Deutschordensritter Heinrich Moritz von Berlepsch wohl um 1760. Das untere Bildnis denselben um 1800.
Heinrich Moritz Freiherr von Berlepsch wurde am 27. August 1736 in Urleben in Thüringen als neuntes von zehn Kindern des Erich Volckmar von Berlepsch und der Johanna Eleonora von Brühl geboren. Sein Vater war königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Kreishauptmann in Thüringen, seine Mutter entstammte der einflussreichen Familie von Brühl. Über sie war Heinrich Moritz ein Neffe des kursächsischen Premierministers Heinrich Graf von Brühl, der zu den mächtigsten Staatsmännern Sachsens im 18. Jahrhundert gehörte.
Bereits im Alter von zwölf Jahren verlor Heinrich Moritz beide Eltern und wurde anschließend im Umfeld seines Onkels erzogen. Die Verbindung zum Dresdner Hof prägte seine weitere Laufbahn nachhaltig. Im Jahr 1753 trat er in den Deutschen Orden ein. Zwei Jahre später, 1755, wurde er zum Ritter geschlagen und erhielt die Würde eines Landkomturs der Ballei Thüringen. Zugleich war er Komtur der Kommenden Liebstedt und Nägelstedt. Seit 1758 gehörte er außerdem der Deutschordensballei Hessen an.
Nachdem er 1759 auf das verschuldete väterliche Erbe verzichtet hatte, widmete er sich ganz seiner Tätigkeit im Orden und im Staatsdienst. In den Jahren 1761 und 1762 ist er als Obrist in sächsischen Diensten nachweisbar. Darüber hinaus bekleidete er zahlreiche Hofämter. Er war königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Kammerherr, wurde 1773 zum kaiserlichen Kämmerer ernannt, wirkte später als Geheimrat des Deutschmeisters und führte seit 1805 den Titel eines Erbkämmerers von Hessen.
In der Ballei Hessen war er von 1779 bis 1794 Komtur von Ober-Flörsheim, anschließend von 1795 bis 1803 Komtur von Griefstedt und schließlich von 1805 bis 1806 Komtur von Schiffenberg. Gleichzeitig blieb Zwätzen, unweit von Jena, der Mittelpunkt seines Wirkens. Dort residierte er jahrzehntelang als Landkomtur beziehungsweise Statthalter der Thüringer Ordensprovinz. Nach späteren Überlieferungen vertrat er zudem die Ritterschaft des Thüringischen Kreises auf den Landtagen in Dresden.
Die letzten Jahre seines Lebens wurden von den napoleonischen Kriegen überschattet. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 wurden zahlreiche verwundete sächsische Soldaten nach Zwätzen gebracht. Auf dem Gelände der Landkommende ließ Berlepsch ein Lazarett einrichten. Viele der Verwundeten erlagen dort ihren Verletzungen. Zum Andenken an 46 verstorbene sächsische Soldaten stiftete er einen schlichten Gedenkstein, das bis heute erhaltene „Sachsengrab“, das als eines der ältesten zeitgenössischen Denkmale an die Ereignisse von 1806 gilt.
Auch außerhalb Thüringens blieb er eine geachtete Persönlichkeit. Der spätere Superintendent Karl Heinrich Gottfried Lommatzsch lernte Berlepsch 1797 in Zwätzen kennen, predigte vor ihm und wurde anschließend zeitweise sein Gesellschafter. Lommatzsch berichtet von dem Wohlwollen des Landkomturs, der ihm die Vergabe einer Pfarrstelle in Aussicht stellte.
Heinrich Moritz von Berlepsch erlebte noch die Auflösung der alten Reichsordnung und das Ende des Deutschen Ordens in Thüringen. Er starb am 3. Dezember 1809. Als Sterbeort nennen die Quellen sowohl Zwätzen als auch Lehesten; gesichert ist jedoch, dass er in der St.-Marien-Kirche zu Zwätzen beigesetzt wurde. Dort erinnert bis heute sein Epitaph an den letzten Landkomtur der Thüringer Ballei.




Kommentare
Kommentar veröffentlichen